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Gero

Adel




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BeitragVerfasst am: 30.03.2012, 13:23    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

« Duffer » hat folgendes geschrieben:

Außerdem ist das was Du über die Reichsakademie sagst fachlich falsch. Der Großteil nationalsozialistischer Architektur war weder pompös, noch gab es einen Stil. Soviel sollte man als Historiker schon wissen. Das VW-Werk in Wolfsburg ist eben auch nationalsozialistische Architektur aber vollkommen anders. Die Nazis hatten daher auch keinen stilistischen Willen.


Die nationalsozialistischen Machthaber beanspruchten durchaus einen NS-Stil entwickelt zu haben, der auf der Basis der ererbten europäischen Formensprache und Typologie entstanden sei. In wieweit das der Realität entsprach, sei dahingestellt.

Kennzeichnend für die NS-Architektur ist zunächst die Ablehnung der Moderne und damit des Bauhaus-Stils der 20er Jahre. Das galt als seelenlose, undeutsche und kulturbolschewistische Bauweise. Repräsentative Bauten der Nationalsozialisten bedienten sich in der Regel einer neoklassizistischen Formensprache und verbanden sie mit modernen und traditionellen Elementen. Für diese Baugesinnung ist die Akademie für Jugendführung in Braunschweig ein schönes Beispiel.

Ging es um Industriekomplexe und technische Anlagen, so war das Gebot der Funktionalität maßgebend, was die Nationalsozialisten als Kennzeichen des technologischen Fortschritts verstanden. Dafür sind u.a. Teile des VW-Werks in WOB ein gutes Beispiel.

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Zuletzt bearbeitet von Gero am 30.03.2012, 15:29, insgesamt einmal bearbeitet
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KlausK

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BeitragVerfasst am: 30.03.2012, 15:07    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

« Duffer » hat folgendes geschrieben:
Ich bin Mitte 20 habe mit Platten nichts am Hut, muss mir aber ständig anhören, dass ich als Architekt heutzutage irgenwie für jede Bausünde der letzten 100 Jahre mitverantwortlich sei.


Hallo Duffer,
bist Du eingetragen? Welche Fachrichtung? Ich suche nämlich gerade, meine Architektin ist nicht mehr in Deutschland.
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Duffer

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BeitragVerfasst am: 31.03.2012, 11:21    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

@Gero:
Ich halte den Verweis auf die repräsentativen, "neroklassizistischen" Bauten der Nazis hier falsch, weil die mascheroder Feierhalle recht klar nicht dazu gehört, sondern zum Heimatschutzstil, auch wenn sie von Albert Speer entworfen wurde (was mich überrascht). Alleine diese beiden "Stile" sind ja bereits unvereinbar miteinander, dass dann auch noch bewusst moderne Industriebauten dazukommen (gläserne Kathedralen für die Arbeiter wie Hitler ungefähr gesagt hat) verbietet es von einem stilistischen Willen der Nazis zu sprechen. Tatsächlich findet sich außer den Avant-Garde-Gruppen fast alles an Architektur bei den Nazis wieder, was man auch in den 20ern hatte oft mit denselben Architekten.

@Klaus:
Ich bin leider noch nicht eingetragen, ich habe noch nicht einmal mein Diplom-Zeugnis bekommen. Aber das Ziel Architekt und Stadtplaner zu werden ist vorhanden, und ich wollte das spätestens nächsten Sommer erreichen.

@Wald:
Ich wollte nur sagen, dass oft das vermeindlich offensichtliche nicht reicht, und es für jedes Beispiel auch das Gegenbeispiel gibt.
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Gero

Adel




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BeitragVerfasst am: 31.03.2012, 13:16    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

« Duffer » hat folgendes geschrieben:
@Gero:
Ich halte den Verweis auf die repräsentativen, "neroklassizistischen" Bauten der Nazis hier falsch, weil die mascheroder Feierhalle recht klar nicht dazu gehört, sondern zum Heimatschutzstil, auch wenn sie von Albert Speer entworfen wurde (was mich überrascht). Alleine diese beiden "Stile" sind ja bereits unvereinbar miteinander, dass dann auch noch bewusst moderne Industriebauten dazukommen (gläserne Kathedralen für die Arbeiter wie Hitler ungefähr gesagt hat) verbietet es von einem stilistischen Willen der Nazis zu sprechen. Tatsächlich findet sich außer den Avant-Garde-Gruppen fast alles an Architektur bei den Nazis wieder, was man auch in den 20ern hatte oft mit denselben Architekten.


Es ist völlig unbestreitbar, dass sich Mitte der 30er Jahre eine monumentale neoklassizistische Architektur entwickelte, die erstrebter Ausdruck des "völkischen Umbruchs" und der absoluten Macht des NS-Regimes war. Obwohl es bereits um 1800. und auch zur Gründerzeit neoklassizistische Bauten gab, tragen die entsprechenden Bauten der nationalsozialistischen Epoche eine ganz spezielle NS-Handschrift, die unverkennbar ist. Es gibt eine schlichte monumentale Symmetrie, stark rechtwinklig oder kubisch ausgerichtete Elemente, sparsame Dekoration und schwere horizontale Steinfassaden, die ein Gefühl ewiger Beständigkeit vermitteln sollten.

Freilich ist zu unterscheiden zwischen repräsentativen Großbauten, Siedlungsarchitektur und Industriearchitektur.

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Duffer

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BeitragVerfasst am: 01.04.2012, 11:01    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Ok. Also offensichtlich reicht dein Wissen über die Architektur der 20er bis 40er Jahre nicht aus zum Diskutieren. Es würde Dir helfen weniger ahistorisch zu argumentieren, und den nationalsozialistischen Neoklassizismus nicht isoliert von bauzeitlichen Entwicklungen in anderen Ländern zu betrachten, oder ihm eine Entwicklungsperiode ausgehend von den 30er Jahren zu unterstellen. Das ist genauso falsch, wie den Neoklassizismus in die Epoche des Klassizismus zu schieben und zeigt völliges fachliches Unwissen. Damit ist diese Diskussion für mich beendet.
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Gero

Adel




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BeitragVerfasst am: 02.04.2012, 10:49    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

« Duffer » hat folgendes geschrieben:
Ok. Also offensichtlich reicht dein Wissen über die Architektur der 20er bis 40er Jahre nicht aus zum Diskutieren. Es würde Dir helfen weniger ahistorisch zu argumentieren, und den nationalsozialistischen Neoklassizismus nicht isoliert von bauzeitlichen Entwicklungen in anderen Ländern zu betrachten, oder ihm eine Entwicklungsperiode ausgehend von den 30er Jahren zu unterstellen. Das ist genauso falsch, wie den Neoklassizismus in die Epoche des Klassizismus zu schieben und zeigt völliges fachliches Unwissen. Damit ist diese Diskussion für mich beendet.


Sicher gab es eine Viielfalt srchitektonischer Sprachen. Dennoch gab es die Suche nach einer adäquaten Formensprache für ein erst seit kurzem etabliertes diktatorisches Regime. Aber wenn man die maßstabgebenden Großbauten betrachtet, so stellt man fest: Offenbar gab es bei Architekten wiie Bauherren ein klares Bewusstsein der Kontextabhängigkeit der jeweiligen Rezeptionsbedingungen - bei in letzter Instanz gleicher Zielsetzung, der Bindung des Individuellen an die nationalsozialistische "Volksgemeinschaft", ein Ideologem, das in den einzelnen Bauten - dem jeweiligen Kontext entsprechend - auf unterschiedliche Weise interpretiert wurde.

Natürlich konnte in den sieben Jahren (!) der NS-Herrschaft vor dem ausbrechen des Weltkriegs keine umfassende NS-Architektur entstehen. Aber die maßstabgehenden Bauten zeigen deutlich, welche Merkmale künftig die NS-Ideologie verkörpern sollten.

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Eusebia

Jung Welfe





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BeitragVerfasst am: 02.04.2012, 12:13    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

« Duffer » hat folgendes geschrieben:
[,,,]und zeigt völliges fachliches Unwissen. Damit ist diese Diskussion für mich beendet.


Das entlastet den Thread ungemein Wink

Schon komisch, wie hier zum Teil auf "Laien" eingegangen wird, die letztendlich doch nur feststellen: "das könnte anders besser aussehen" - vollkommen unbenommen von Bauepochen, Modeerscheinungen oder politischen Entscheidungen.

Fehlt eigentlich nur noch, dass sich jemand episch über die angedachte Farbauswahl "mehr Grün" auslässt und den Otto-Normal-und-nicht-Architekur-studierenden-Schreiber nicht nur unpassende politische Gesinnung, unmodernes Farbempfinden andichtet, ihn dann in den Wald oder auf ne Wiese schickt und sich mit einem: "das ist mir hier zu inkompetent, ich halt mich jetzt raus" verabschiedet.

... aber was nicht ist, kann ja noch werden Wink

baba


Zuletzt bearbeitet von Eusebia am 03.04.2012, 01:50, insgesamt einmal bearbeitet
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Duffer

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BeitragVerfasst am: 02.04.2012, 12:44    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Zitat:
Schon komisch, wie hier zum Teil auf "Laien" eingegangen wird


Gero ist Historiker. Nur zur Erinnerung: Mir wurde ahistorisches argumentieren vorgeworfen, da darf ich dann von meinem Gegenüber eine absolut saubere, historisch korrekte Argumentation erwarten. Wenn das nicht kommt, dann kann man das lassen, oder eben wieder zum Ursprungsniveau zurückkehren.

Aber ich sehe es ein, der Idealfall ist der der Piratenpartei, wo niemand was weiß, aber alle diskutieren wollen.
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Gero

Adel




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BeitragVerfasst am: 02.04.2012, 15:23    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

« Duffer » hat folgendes geschrieben:

Gero ist Historiker. Nur zur Erinnerung: Mir wurde ahistorisches argumentieren vorgeworfen, da darf ich dann von meinem Gegenüber eine absolut saubere, historisch korrekte Argumentation erwarten. Wenn das nicht kommt, dann kann man das lassen, oder eben wieder zum Ursprungsniveau zurückkehren.


Duffer ist angehender Architekt. Wenn er zur NS-Architektur nur Plattituden vorzuweisen hat und historische Bedingungen, architektonische Ziele und stilistische Merkmale weder benennen noch einordnen kann, dann ist er ein nicht ernst zu nehmender Gesprächspartner.

Damit können wir dann wieder zu den Ursprüngen dieses Thread zurückkehren! Board

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Duffer

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BeitragVerfasst am: 02.04.2012, 15:44    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Ich weiß nicht was dein Problem ist. Das Photo zeigt die Feierhalle in Mascherode, die ist eindeutig Heimatschutzstil, und dein Beharren auf nationalsozialistischem Neoklassizismus (hast hoffentlich den Unterschied zwischen Klassik, Klassizismus und Neoklassizismus nachgesehen) hat damit nichts zu tun. Du kennst allem Anschein nach nur den Repräsentationsbau, und auch den unzurechend, sonst würdest Du den weder zeitlich noch örtlich auf die NS-Zeit verengen.

Wenn ich Dir nicht ernsthaft genug bin (wohl weil ich deine Thesen widerlegen kann) dann fange doch bitte keine Diskussionen über meine persönlichen Kompetenzen an.
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Gero

Adel




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BeitragVerfasst am: 02.04.2012, 16:49    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

« Duffer » hat folgendes geschrieben:
Ich weiß nicht was dein Problem ist. Das Photo zeigt die Feierhalle in Mascherode, die ist eindeutig Heimatschutzstil, und dein Beharren auf nationalsozialistischem Neoklassizismus (hast hoffentlich den Unterschied zwischen Klassik, Klassizismus und Neoklassizismus nachgesehen) hat damit nichts zu tun. Du kennst allem Anschein nach nur den Repräsentationsbau, und auch den unzurechend, sonst würdest Du den weder zeitlich noch örtlich auf die NS-Zeit verengen.


Ich habe mehrfach auf stilistische Besonderheiten hingewiesen, die Hitler in seinen repräsentativen Bauten verwirklicht wissen wollte und die ihm besonders seine Lieblingsarchitekten Troost, Speer, Giesler u.a. lieferten. Dabei kam folgendes Raster zum tragen (nach Wikipedia):

[/quote] Klassizismus für Propaganda-, Staats- und Parteibauten,
Heimatschutzstil für Siedlungsbauten und Ordensburgen,
moderate Moderne für Wohn- und Verwaltungsbauten,
pathetischer Funktionalismus für Kasernen, Heeresbauten und Industrieverwaltungsbauten,
versachlichter Funktionalismus für Sportbauten und Stadien,
Neue Sachlichkeit für Technik-, Industrie- und Fabrikbauten.
[quote]

Dass also der Heimatschutzstil anders aussah als die Reichskanzlei, versteht sich von selbst. Dennoch formulierten Hitler und seine Architekten bestimmte "völkisch-architektonische Grundlinien", die die NS-Architektur bestimmen sollten. Dass das in sieben Jahren bis Kriegsbeginn nicht deutschlandweit zu verwirklichen war, dürfte klar sein.

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Duffer

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BeitragVerfasst am: 02.04.2012, 18:07    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Zitat:
Ich habe mehrfach auf stilistische Besonderheiten hingewiesen, die Hitler in seinen repräsentativen Bauten verwirklicht wissen wollte und die ihm besonders seine Lieblingsarchitekten Troost, Speer, Giesler u.a. lieferten. Dabei kam folgendes Raster zum tragen (nach Wikipedia):

Klassizismus für Propaganda-, Staats- und Parteibauten,
Heimatschutzstil für Siedlungsbauten und Ordensburgen,
moderate Moderne für Wohn- und Verwaltungsbauten,
pathetischer Funktionalismus für Kasernen, Heeresbauten und Industrieverwaltungsbauten,
versachlichter Funktionalismus für Sportbauten und Stadien,
Neue Sachlichkeit für Technik-, Industrie- und Fabrikbauten.

Dass also der Heimatschutzstil anders aussah als die Reichskanzlei, versteht sich von selbst. Dennoch formulierten Hitler und seine Architekten bestimmte "völkisch-architektonische Grundlinien", die die NS-Architektur bestimmen sollten. Dass das in sieben Jahren bis Kriegsbeginn nicht deutschlandweit zu verwirklichen war, dürfte klar sein.


Ah Wikipedia, das erklärt dann so einiges. Vielleicht daher die Klassik-Klassizismus-Neoklassizismus-Verwirrung? Da schafft die Wikipedia wieder Schinkel, Ottmer oder Klenze mit Speer in die gleiche Kunstepoche zu stecken. (Damit wäre dann auch eine weitere Parallele zwischen Braunschweiger Stadtschloss und nationalsozialistischem Bauen gefunden. Kleine Provokation am Rande)

Was hat das mit "sieben Jahren bis Kriegsbeginn" zu tun? Paul Schulze-Naumburg hat seine Kulturarbeiten schon ab 1899 veröffentlicht. Dies sind Grundlagen der Heimatschutzarchitektur und nicht die "völkisch-architektonische Grundlinien" Hitlers. Wie kann denn auch Hitlers Gusto entscheidend für die Entwicklung einer Architektur gewesen sein, die es schon gab als Hitler noch zur Schule ging? Ich möchte das gerne beantwortet haben. Hitler ist 1889 geboren, den Heimatschutzstil gibt es etwa seit dem ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, also nur kurz später. Hat er mit 10 schon standhafte Architekten auf seinen völkischen Irrweg gezogen?
Auch ist eine Abgrenzung zwischen den einzelnen Architekturrichtungen der 20er und 30er Jahre nicht so einfach wie Du das gerne hättest. Es war eben erwähnter Schulze-Naumburg der viele der "gemäßigten Traditionalisten" wie z.B. Schmitthenner oder Bonatz für seine Sache gewinnen konnte. Der Konflikt zwischen der klassischen Moderne und den gemäßigten Traditionalisten und noch viel stärker zwischen den Avantgarde-Gruppen (wie Bauhaus, Konstruktivisten Futuristen) und den Heimatschützern war schon seit dem 1. Weltkrieg voll entbrand. Die Nazis haben sich lediglich der einen Seite bemächtigt und darauf "ihre Architektur" aufgebaut. Der überwiegende Teil der Nationalsozialistischen Architektur war schon vorhanden. Du verwechselst hier Anfang und Ende.
Und noch kurioser wird es ja, wenn man seinen deutschen Tellerrand erweitert und in andere Länder sieht, die zur gleichen Zeit die gleiche Architektur für die gleichen Typologien verwendet haben. Wie haben es die Nazis geschafft, dass auch demokratische Staaten wie die USA oder Frankreich oder kommunistische wie die UdSSR eben auch im Neoklassizismus wenn auch unterscheidbar in der gleichen Stilistik gebaut haben? Wieso sieht das Haus der Sowjets in Petersburg zu verdächtig nach drittem Reich aus? Und warum erfüllt das Pentagon die Waren das gleichermaßen die von Dir aufgestellten Charakteristika Nationalsozialistischen Bauens ( [...] schlichte monumentale Symmetrie, stark rechtwinklig oder kubisch ausgerichtete Elemente, sparsame Dekoration und schwere horizontale Steinfassaden, die ein Gefühl ewiger Beständigkeit vermitteln [...] )Waren das "völkisch-architektonische Grundlinien"?

Ich will nicht mal sagen, dass das was Du hier zur "NS-Architektur" anführst alles falsch ist, es ist aber viel zu kurz gegriffen und im Endeffekt ahistorisch argumentiert, weil Du die Zusammenhänge in der Zeit und im Raum ignorierst (wahrscheinlich) oder nicht kennst (Wahrscheinlich auch). Mit deinen zusammengeklaubten Zitaten aus Wikipedia, der Relokation ganzer Architekturepochen um mal eben ein schlappes Jahrhundert hin oder her empfiehlst Du Dich vielleicht für einen Doktortitel der Bamberger Uni, gibst aber hier kein fachliches Bild ab für eine Debatte die Du damit angefangen hast, dass Du mich als schlechten Architekten diffamieren wolltest, indem Du einen Satz genommen hast und den auch nicht verstehen wolltest. Darum ging es Dir hier eigentlich.
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Adel




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BeitragVerfasst am: 03.04.2012, 14:10    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

« Duffer » hat folgendes geschrieben:

Was hat das mit "sieben Jahren bis Kriegsbeginn" zu tun? .


Das ist doch offensichtlich. Der von Hitler und seinen Star-Architekten propagierte Baustil ließ sich in den sieben Jahren bis Kriegsbeginn nur ansatzweise umsetzen, zeigt sich aber deutlich und unverwechselbar an einer Zahl repräsentativer Bauten besonders der Staatsarchitektur.

Der Repräsentativbau im Nationalsozialismus war durch den Neoklassizismus geprägt. Im Gegensatz etwa zum Sozialistischen Klassizismus wurden dekorative Elemente nur sparsam verwendet. Stattdessen konzentrierten sich die maßstabbildenden Architekten auf den Baukörper und gaben ihm ein Maximum ein Eigenästhetik. Die monumentalen Bauten sollten Ewigkeit, Unzerstörbarkeit, und eine fortdauernde Gültigkeit repräsentieren. Diese neoklassizistische Repräsentationsarchitektur kam vor allem bei wichtigen Großbauten von Staat und Partei in den Stadtzentren zum Einsatz

Nationalsozialistischer Neoklassizismus, Heimatschutzstil oder funktioneller Stil sind nicht vom Himmel gefallen, Sie bedienen sich aus dem verfügbaren Arsenal von Formen und filtern diejenigen heraus, die dem Ziel entweder von Ewigkeit, Beständigkeit, Sicherheit oder Geborgenjeit entsprechen. Überlieferte Formen werden zu einem neuen Amalgam vereinigt und entsprechen - mal mehr, mal weniger - dem gesuchten Ziel eines "nationalsozialistischen Stils".

Zu Braunschweig-Mascherode: Die "gemütliche" Architektur der Siedlungshäuser von Mascherode ist die Basis für das eigentliche Ziel: Die beherrschende "hohe" Architektur des Gemeinschaftshauses, die das Ideal des Lebens repräsentiert: Die Idee der nationalsozialistischen "Gemeinschaft bis in den Tod" (vgl. die Ehrenhalle als Zeichen der Verehrung der "Blutzeugen der Bewegung"). Beide Bereiche gesellschaftlicher Wirklichkeit - der gewöhnliche Alltag und die höhere Sphäre von Partei und Staat - werden durch völlig unterschiedliche Formensprachen geschieden.

Dass die NS-Architektur Vorläufer hat und auch anderswo "neoklassizistisch" gebaut wurde, kann nicht verwundern. Man denke an die USA: 30th Street Station in Philadelphia, Pennsylvania; Lincoln Memorial in Washington D.C.; National Gallery of Art in Washington (D.C.), das finnische Parlament, Eduskuntatalo, in Helsinki; in Stockholm die Stadtbücherei und das Krematorium; In Paris das Palais de Chaillot 1937 und das Palais de Tokyo 1937. Aber erst das Zusammenfügen verschiedener Elemente in zuweilen eklektischer Weise, ihre Reduktion oder Steigerung und die ideelle Ausrichtung auf bestimmte ideollogische Ziele - die im Baustil versinnbildlicht werden - schaffen eine vielfach unverkennbare stilistische Zugehörigkeit zu einer typischen NS-Architektur, die dem Bauwillen der nationalsozialistischen Diktatur formal entspricht.

Hitler galt die Architektur als kraftvollster Ausdruck der nationalsozialistischen Idee und diese Entsprechung finden wir in der Neuen Reichskanzlei Berlin, im Olympiastadion Berlin, Reichsparteitagsgelände Nürnberg, Haus der Kunst München, KdF-Bad Prora Rügen, NS-Ordensburg Vogelsang, Reichsluftfahrtministerium Berlin und nicht zuletzt der Akademie für Jugendführung in Braunschweig.

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